{"id":27,"date":"2017-02-09T13:47:20","date_gmt":"2017-02-09T13:47:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=27"},"modified":"2019-04-16T09:54:30","modified_gmt":"2019-04-16T09:54:30","slug":"charakter","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=27","title":{"rendered":"Charakter"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"defchar\"><\/a><\/p>\n<h3>Definition<\/h3>\n<p>Charakter wird als \u00dcberbegriff f\u00fcr positiv bewertete Eigenschaften von Personen verwendet. Im Gegensatz zum vorherrschenden Verst\u00e4ndnis von Pers\u00f6nlichkeit oder Temperament schliesst Charakter auch Eigenschaften mit ein, die Ausdruck von Exzellenz sind (z.B. moralische oder intellektuelle Exzellenz). Im Alltag hingegen wird Charakter oft synonym f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeit verwendet.<br \/>\nObwohl Charakter zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein zentrales Thema der Psychologie war, wurde er aus der wissenschaftlichen Literatur \u201everbannt\u201c, die sich, gem\u00e4ss Gordon Allport und Henry Odbert (1936), nur mit \u201eneutralen\u201c Konzepten auseinandersetzen solle, w\u00e4hrend bewertete Eigenschaften Thema der Philosophie seien. Erst seit dem Aufkommen der Positiven Psychologie besch\u00e4ftigt man sich in der Psychologie wieder mit Charakter.<\/p>\n<p><a name=\"via\"><\/a><\/p>\n<h3>VIA Klassifikation (Peterson &amp; Seligman, 2004)<\/h3>\n<p>Das vorherrschende Konzept von Charakter stammt von den amerikanischen Psychologen Christopher Peterson und Martin Seligman (2004). Laut Peterson und Seligman beschreibt Charakter weitgehend stabile interindividuelle Unterschiede in Charakterst\u00e4rken und Tugenden, von denen jedoch \u2013\u00a0im Gegensatz zu klassischen Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften \u2013\u00a0explizit angenommen wird, dass sie ver\u00e4nderbar sind. Charakter umfasst drei Ebenen: Tugenden, Charakterst\u00e4rken und situative Themen (Peterson und Seligman, 2004):<\/p>\n<p><a name=\"virtues\"><\/a><br \/>\n<strong>Tugenden<\/strong> werden von Moralphilosophen und religi\u00f6sen Denkern als Kerneigenschaften des menschlichen Funktionierens angesehen. Sechs Tugenden tauchen in den historischen und zeitgen\u00f6ssischen Schriften aus verschiedensten Kulturen immer wieder auf: Weisheit, Mut, Humanit\u00e4t, Gerechtigkeit, M\u00e4ssigung und Transzendenz. Diese werden daher als allgemein g\u00fcltig verstanden (Dahlsgaard, Peterson &amp; Seligman, 2005).<\/p>\n<p><a name=\"char_strong\"><\/a><br \/>\n<strong>Charakterst\u00e4rken<\/strong> sind die Prozesse oder Mechanismen, welche die Tugenden definieren. Sie stellen unterschiedliche Wege dar, Tugenden auszu\u00fcben beziehungsweise zu zeigen. Die Tugend Weisheit kann beispielsweise durch die Aus\u00fcbung der Charakterst\u00e4rken Kreativit\u00e4t, Neugierde, Liebe zum Lernen, Urteilsverm\u00f6gen und Weitsicht erlangt werden. Es werden 24 Charakterst\u00e4rken unterschieden, welche sich den sechs Tugenden zuordnen lassen.<\/p>\n<p><strong>Situative Themen<\/strong> sind spezifische Gewohnheiten, die es Personen erm\u00f6glichen, bestimmte Charakterst\u00e4rken in einer gewissen Situation zu zeigen. Die Gallup Organisation hat viele hunderte situative Themen f\u00fcr den Kontext des Arbeitsplatzes identifiziert, beispielsweise \u201eEmpathie\u201c (Bed\u00fcrfnisse anderer antizipieren und begegnen), \u201ePositivit\u00e4t\u201c (das Gute im Menschen und in Situationen sehen) oder \u201eEinschluss\u201c (anderen das Gef\u00fchl geben, Teil der Gruppe zu sein) (Buckingham &amp; Clifton, 2001). Situative Themen k\u00f6nnen sich je nach Situation (z.B. am Arbeitsplatz oder zu Hause) unterscheiden, aber auch \u00fcberschneiden.<\/p>\n<p>Die Klassifikation der Tugenden und Charakterst\u00e4rken entstand durch die Sichtung philosophischer, religi\u00f6ser und psychologischer Literatur sowie Tugendkatalogen (z.B. gemeinn\u00fctziger Vereine oder der Pfadfinder) und Quellen aus der popul\u00e4ren Kultur (z.B. positive Eigenschaften von Superhelden). Als Gegenst\u00fcck zur DSM-Klassifikation psychischer Krankheiten bildet sie eine Klassifikation positiver Eigenschaften. Anhand von zehn Kriterien wurden 24 Charakterst\u00e4rken in die Klassifikation aufgenommen. Eines der zehn Kriterien war beispielsweise, dass eine Charakterst\u00e4rke erf\u00fcllend sein soll, genauer gesagt soll sie zur Erf\u00fcllung, zum Gl\u00fcck und zur Zufriedenheit beitragen.<\/p>\n<p>Im folgenden Abschnitt wird eine \u00dcbersicht \u00fcber die 24 Charakterst\u00e4rken und sechs Tugenden der <strong>Values-in-Action-Klassifikation<\/strong> von Peterson und Seligman (2004) gegeben, aus der \u00dcbersetzung von Ruch und Proyer (2011):<\/p>\n<p><strong>Tugend 1: Weisheit und Wissen<\/strong> (kognitive St\u00e4rken, die den Erwerb und den Gebrauch von Wissen beinhalten)<br \/>\n<em>Kreativit\u00e4t:<\/em> Neue und effektive Wege finden, Dinge zu tun<br \/>\n<em>Neugier:<\/em> Interesse an der Umwelt haben<br \/>\n<em>Urteilsverm\u00f6gen und Aufgeschlossenheit:<\/em> Dinge durchdenken und von allen Seiten betrachten<br \/>\n<em>Liebe zum Lernen:<\/em> Neue Techniken erlernen und Wissen aneignen<br \/>\n<em>Weitsicht:<\/em> In der Lage sein, guten Rat zu geben<\/p>\n<p><strong>Tugend 2: Mut<\/strong> (Emotionale St\u00e4rken, die mittels der Aus\u00fcbung von Willensleistung dabei helfen, interne und externe Barrieren zur Erreichung eines Zieles zu \u00fcberwinden)<br \/>\n<em>Tapferkeit (Mut):<\/em> Sich nicht Bedrohung oder Schmerz beugen, sondern Herausforderungen annehmen<br \/>\n<em>Ausdauer (Hartn\u00e4ckigkeit, Beharrlichkeit, Fleiss):<\/em> Beenden, was begonnen wurde<br \/>\n<em>Ehrlichkeit (Integrit\u00e4t):<\/em> Die Wahrheit sagen und sich nat\u00fcrlich verhalten<br \/>\n<em>Tatendrang (Vitalit\u00e4t):<\/em> Der Welt mit Begeisterung und Energie begegnen<\/p>\n<p><strong>Tugend 3: Menschlichkeit<\/strong> (Interpersonale St\u00e4rken, die liebevolle menschliche Interaktionen erm\u00f6glichen)<br \/>\n<em>F\u00e4higkeit zu lieben und geliebt zu werden:<\/em> Menschliche N\u00e4he herstellen und sch\u00e4tzen k\u00f6nnen<br \/>\n<em>Freundlichkeit (Grossz\u00fcgigkeit):<\/em> Gefallen tun und gute Taten vollbringen<br \/>\n<em>Soziale Intelligenz (soziale Kompetenz):<\/em> Sich der eigenen Motive und Gef\u00fchle und denen anderer bewusst sein<\/p>\n<p><strong>Tugend 4: Gerechtigkeit<\/strong> (St\u00e4rken, die das Gemeinwesen f\u00f6rdern)<br \/>\n<em>Teamwork (B\u00fcrgerverantwortung, Teamf\u00e4higkeit):<\/em> Gut als Mitglied eines Teams arbeiten<br \/>\n<em>Fairness:<\/em> Alle Menschen nach dem Prinzip der Gleichheit und Gerechtigkeit behandeln<br \/>\n<em>F\u00fchrungsverm\u00f6gen:<\/em> Gruppenaktivit\u00e4ten organisieren und erm\u00f6glichen<\/p>\n<p><strong>Tugend 5: M\u00e4ssigung<\/strong> (St\u00e4rken, die Exzessen entgegenwirken)<br \/>\n<em>Vergebungsbereitschaft und Gnade:<\/em> Denen vergeben, die einem Unrecht getan haben<br \/>\n<em>Bescheidenheit und Demut:<\/em> Das Erreichte f\u00fcr sich sprechen lassen<br \/>\n<em>Vorsicht (Besonnenheit, Umsicht):<\/em> Nichts tun oder sagen, was sp\u00e4ter bereut werden k\u00f6nnte<br \/>\n<em>Selbstregulation:<\/em> Regulieren, was man tut und f\u00fchlt<\/p>\n<p><strong>Tugend 6: Transzendenz<\/strong> (St\u00e4rken, die uns einer h\u00f6heren Macht n\u00e4herbringen und Sinn stiften)<br \/>\n<em>Sinn f\u00fcr das Sch\u00f6ne und Exzellenz:<\/em> Sch\u00f6nheit in allen Lebensbereichen sch\u00e4tzen<br \/>\n<em>Dankbarkeit:<\/em> Sich der guten Dinge bewusst sein und sie zu sch\u00e4tzen wissen<br \/>\n<em>Hoffnung (Optimismus):<\/em> Das Beste erwarten und daran arbeiten, es zu erreichen<br \/>\n<em>Humor:<\/em> Lachen und Humor sch\u00e4tzen und Leute gerne zum Lachen bringen<br \/>\n<em>Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t:<\/em> Koh\u00e4rente \u00dcberzeugungen von einem h\u00f6heren Sinn des Lebens haben<\/p>\n<p><a name=\"sigchar\"><\/a><\/p>\n<h3>Signaturst\u00e4rken<\/h3>\n<p>Als Signaturst\u00e4rken werden jene St\u00e4rken bezeichnet, die besonders typisch f\u00fcr eine Person sind und gerne und h\u00e4ufig eingesetzt werden. Von einer Signaturst\u00e4rke kann gesprochen werden, wenn verschiedene Kriterien erf\u00fcllt sind. Unter anderem werden von Peterson und Seligman (2004) folgende Kriterien genannt: Ein Gef\u00fchl von Authentizit\u00e4t gegen\u00fcber der St\u00e4rke (\u201edas bin wirklich ich\u201c), ein Gef\u00fchl von Freude w\u00e4hrend der Aus\u00fcbung der St\u00e4rke und eine intrinsische Motivation, die St\u00e4rke auszu\u00fcben. \u00dcblicherweise weisen Personen drei bis sieben Signaturst\u00e4rken auf.<\/p>\n<p><a name=\"messchar\"><\/a><\/p>\n<h3>Messung<\/h3>\n<p><strong>VIA Inventory of Strengths (VIA-IS)<\/strong><br \/>\nDas VIA-IS, ein Fragebogen mit 240 Items, ist das Standardinstrument zur Erfassung der 24 Charakterst\u00e4rken der VIA Klassifikation und wird vielseitig in Forschung und Praxis eingesetzt. Die deutschsprachige Version des VIA-IS kann kostenlos auf der folgenden Internetseite bearbeitet werden (inkl. R\u00fcckmeldung):<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.charakterstaerken.org\">http:\/\/www.charakterstaerken.org<\/a><\/p>\n<p><strong>VIA of Strengths for Youth (VIA-Youth)<\/strong><br \/>\nDas VIA-Youth ist ein Fragebogen zur Erfassung von Charakterst\u00e4rken f\u00fcr Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren. Anhand von 198 Fragen werden die 24 Charakterst\u00e4rken erhoben. Die deutschsprachige Version des VIA-Youth kann unter dem folgendem Link kostenlos bearbeitet werden (inkl. R\u00fcckmeldung):<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.charakterstaerken.org\">http:\/\/www.charakterstaerken.org<\/a><\/p>\n<p><strong>VIA Structured Interview (VIA-SI)<\/strong><br \/>\nDas VIA-SI ist ein standardisiertes Interview, das Signaturst\u00e4rken erfasst und ca. 30 Minuten dauert. In diesem Verfahren werden nur qualitative und keine quantitativen Informationen \u00fcber die Charakterst\u00e4rken bzw. die Signaturst\u00e4rken einer Person gewonnen.<\/p>\n<p><strong>Character Strengths Rating Form (CSRF)<\/strong><br \/>\nDie CSRF ist ein Forschungsinstrument, welches anhand von 24 Fragen Charakterst\u00e4rken erhebt. Dieses Instrument eignet sich nicht f\u00fcr die Individualdiagnostik, da die Messgenauigkeit aufgrund der K\u00fcrze gering ist. Es kann aber f\u00fcr Forschungszwecke eingesetzt werden.<\/p>\n<p><a name=\"befchar\"><\/a><\/p>\n<h3>Ausgew\u00e4hlte Befunde<\/h3>\n<h4>Charakterst\u00e4rken und Tugenden im kulturellen Vergleich<\/h4>\n<p>Obwohl die VIA-Klassifizierung in den USA entwickelt wurde, zeigt sich in einigen Studien, dass sich Charakterst\u00e4rken \u00fcber Kulturen hinweg als n\u00fctzlich erweisen. Dieselben Charakterst\u00e4rken finden sich sogar in Kulturen wieder, die mit sehr unterschiedlichen Traditionen leben. Biswas-Diener (2006) untersuchte drei sehr unterschiedliche Kulturen, die miteinander nicht in Kontakt stehen: Mitglieder der in Kenia lebendenden Maasai, die in Nord-Gr\u00f6nland lebenden Inughuit und US-amerikanische Studenten. Die Ergebnisse seiner Studie zeigten, dass Personen \u00fcber alle drei Kulturen hinweg die 24 Charakterst\u00e4rken f\u00fcr existent hielten, sie bef\u00fcrworteten und die Entwicklung vom Charakter als realistisch und wichtig beurteilten. Kleine Unterschiede zeigten sich nur bez\u00fcglich der wahrgenommenen Wichtigkeit spezifischer Charakterst\u00e4rken (z. B. Bescheidenheit), der Existenz von kulturellen Institutionen, die Charakterst\u00e4rken f\u00f6rdern, und inwiefern alle Charakterst\u00e4rken sowohl M\u00e4nnern als auch Frauen zugeschrieben wurden.<br \/>\nDer Nachweis, dass die 24 Charakterst\u00e4rken \u00fcber Kulturen hinweg anerkannt werden, legt eine Grundlage f\u00fcr die Erforschung weiterer Fragen. Daraufhin wurde ermittelt, inwiefern die Charakterst\u00e4rken in verschiedenen L\u00e4ndern unterschiedlich ausgepr\u00e4gt sind. McGrath (2014) untersuchte zum Beispiel Teilnehmende aus 75 Nationen aller Kontinente. Die Ergebnisse sprechen f\u00fcr eine kultur\u00fcbergreifende \u00dcbereinstimmung bei der Bef\u00fcrwortung von Charakterst\u00e4rken. \u00dcber Kulturen hinweg sind die Charakterst\u00e4rken mit den h\u00f6chsten Auspr\u00e4gungen Ehrlichkeit, Fairness, Freundlichkeit, Neugier und Urteilsverm\u00f6gen. Fairness befand sich sogar in allen 75 L\u00e4ndern unter den f\u00fcnf am st\u00e4rksten bef\u00fcrworteten St\u00e4rken. In allen 75 L\u00e4ndern waren Selbstregulation, Bescheidenheit, Vorsicht, Spiritualit\u00e4t und Tatendrang die am niedrigsten ausgepr\u00e4gten Charakterst\u00e4rken. Ein besonders wichtiger Befund ist, dass sich eine kultur\u00fcbergreifende Konsistenz in der Selbstbeschreibung von Charakterst\u00e4rken, wie auch schon in einer fr\u00fcheren Studie von Park, Peterson und Seligman (2006), finden liess. Da die Daten von Personen stammten, die im Internet die englischsprachige Version des VIA-IS ausgef\u00fcllt hatten, l\u00e4sst sich dieses Ergebnis jedoch nur auf relativ gebildete Personen, die an Charakterst\u00e4rken interessiert sind, generalisieren.<\/p>\n<h4>Lebenszufriedenheit<\/h4>\n<p>Der Zusammenhang zwischen Charakterst\u00e4rken und Lebenszufriedenheit wurde vielfach untersucht. Die Charakterst\u00e4rken Neugier, Dankbarkeit, Hoffnung, F\u00e4higkeit zu lieben und geliebt zu werden und Tatendrang korrelieren dabei \u00fcber viele Studien hinweg am st\u00e4rksten mit Lebenszufriedenheit (z.B. Park, Peterson &amp; Seligman, 2004). M\u00e4ssige Korrelationen mit Lebenszufriedenheit zeigen sich in diesen Studien f\u00fcr die Charakterst\u00e4rken Sinn f\u00fcr das Sch\u00f6ne und Exzellenz, Kreativit\u00e4t, Urteilsverm\u00f6gen, und Liebe zum Lernen. Diese Ergebnisse basieren auf Selbstberichten, d.h. eine Person beantwortet sowohl die Fragen zu Charakterst\u00e4rken als auch zu Lebenszufriedenheit. \u00dcbereinstimmende Ergebnisse wurden aber auch bei Einsch\u00e4tzungen durch Bekannte gefunden. Allefalls zeigten sich signifikante Zusammenh\u00e4nge zwischen 10 Charakterst\u00e4rken, die durch nahestehende Personen eingesch\u00e4tzt wurden, und Lebenszufriedenheit (Buschor, Proyer &amp; Ruch, 2013). Die drei numerisch h\u00f6chsten Zusammenh\u00e4nge wurden mit den Charakterst\u00e4rken Hoffnung, Tatendrang und Neugier gefunden.<br \/>\nWie bei Erwachsenen zeigen sich auch bei Kindern und Jugendlichen positive Beziehungen zwischen den Charakterst\u00e4rken Dankbarkeit, Hoffnung, Tatendrang und der F\u00e4higkeit zu lieben und geliebt zu werden und der Lebenszufriedenheit (Park &amp; Peterson, 2006a; Gillham et al., 2011). Sehr junge Kinder zwischen drei und neun Jahren, die durch ihre Eltern als gl\u00fccklich beschrieben wurden, wiesen die Charakterst\u00e4rken F\u00e4higkeit zu lieben und geliebt zu werden, Hoffnung und Tatendrang auf (Park &amp; Peterson, 2006b). Interessant ist auch der Befund von Park und Peterson (2006a), dass eine hohe Auspr\u00e4gung der Charakterst\u00e4rke Selbstregulation bei den Eltern positiv mit der Lebenszufriedenheit des Kindes in Beziehung steht, nicht aber mit der Lebenszufriedenheit der Eltern selbst.<\/p>\n<h4>Romantische Beziehungen<\/h4>\n<p>Die Untersuchung romantischer Liebensbeziehungen bei 13- bis 19-J\u00e4hrigen und Charakterst\u00e4rken ergab, dass Charakterst\u00e4rken positiv zur allgemeinen Lebenszufriedenheit beitragen (Weber &amp; Ruch, 2012). Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass nicht nur eigene Charakterst\u00e4rken, sondern auch Charakterst\u00e4rken des Partners zur Lebenszufriedenheit beitragen. Ferner korrelierten die \u00c4hnlichkeit bzw. Verschiedenheit in einigen Charakterst\u00e4rken der Paare mit der Lebenszufriedenheit. Interessant ist auch, dass sich bei manchen Charakterst\u00e4rken eine so genannte \u201eselektive Partnerwahl\u201c zeigte. Die Charakterst\u00e4rken Hoffnung, Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t, Ehrlichkeit und Fairness waren bei beiden Partnern jeweils \u00e4hnlich hoch oder niedrig ausgepr\u00e4gt. Des Weiteren zeigte sich in einer anderen Studie (Lavy, Littman-Ovadia, &amp; Bareli, 2016), die verheiratete Paare untersuchte, dass die Auspr\u00e4gung und die Aus\u00fcbung von Charakterst\u00e4rken in der Beziehung, mit h\u00f6herer Beziehungszufriedenheit bei beiden Ehepartnern einhergeht. Das Ausmass, in dem Partner Charakterst\u00e4rken aufweisen und das Ausmass, in dem die Charakterst\u00e4rken ausge\u00fcbt werden k\u00f6nnen, ging mit h\u00f6herer Beziehungszufriedenheit einher. Jedoch zeigten die Ergebnisse der Studie, dass M\u00e4nner, die ihre Partnerin idealisierten (d.h. M\u00e4nner, die ihren Frauen mehr Charakterst\u00e4rken zuschrieben als die Frauen sich selbst), eine niedrigere Beziehungszufriedenheit angeben. Bei Frauen trat dieser Zusammenhang hingegen nicht auf.<\/p>\n<h4>Die Abwesenheit, der Exzess und das Gegenteil von Charakterst\u00e4rken<\/h4>\n<p>Christopher Peterson entwickelte aus der Theorie \u00fcber Tugenden und Charakterst\u00e4rken (\u201edas, was in Menschen gut ist\u201c) eine Theorie \u00fcber mentale Krankheit (\u201edas, was in Menschen falsch ist\u201c; Seligman, 2015). Nach Peterson kann nicht nur psychische Gesundheit durch die Anwesenheit von Charakterst\u00e4rken, sondern auch psychische Krankheit als die Abwesenheit, den \u00dcberschuss oder das Gegenteil von Charakterst\u00e4rken beschrieben werden. Aus den 24 Charakterst\u00e4rken ergeben sich somit dreimal 24, also insgesamt 72 Pathologien. Das Gegenteil der Charakterst\u00e4rke \u201eVergebungsbereitschaft\u201c w\u00e4re beispielsweise Rachsucht, ihre Abwesenheit w\u00e4re Unbarmherzigkeit und ihr \u00dcberschuss \u00fcbertriebene Nachgiebigkeit. Bereits Aristoteles (2000) betont, dass es notwendig sei, das richtige Mass jeder Tugend zu finden, um aufbl\u00fchen zu k\u00f6nnen. Dieser Gedanke wurde bisher nur wenig untersucht und bedarf weiterer Forschung.<\/p>\n<h4>Posttraumatisches Wachstum<\/h4>\n<p>Das Studium posttraumatischen Wachstums zeigt, dass Menschen nach tiefgreifenden traumatischen Ereignissen in gewissen F\u00e4llen in vielerlei Hinsicht gest\u00e4rkt sein k\u00f6nnen. Tedeschi und Calhoun (1995) stellten fest, dass posttraumatisches Wachstum in f\u00fcnf Bereichen erfolgen kann: Intensivere Wertsch\u00e4tzung des Lebens, intensivere pers\u00f6nliche Beziehungen, Entdeckung von neuen M\u00f6glichkeiten, Bewusstwerden eigener St\u00e4rken und spirituelle Entwicklung. Zudem k\u00f6nnen auch Charakterst\u00e4rken zunehmen. Traumatische Ereignisse, wie zum Beispiel lebensbedrohliche Unf\u00e4lle, sexueller Missbrauch und\/oder physischer Missbrauch, k\u00f6nnen mit einer Zunahme von Charakterst\u00e4rken (Peterson, Park, Pole, D\u2019Andrea &amp; Seligman, 2008) einhergehen. Je mehr traumatische Ereignisse erlebt wurden, desto h\u00f6her war die Auspr\u00e4gung in fast allen Charakterst\u00e4rken (ausgenommen sind die Charakterst\u00e4rken Dankbarkeit, Hoffnung und F\u00e4higkeit zu lieben und geliebt zu werden). Ferner zeigte sich in einer Studie, die Charakterst\u00e4rken vor und nach den Terroranschl\u00e4gen am 11. September 2001 erhoben hat (Peterson &amp; Seligman, 2003), dass die Charakterst\u00e4rken Dankbarkeit, Hoffnung, Freundlichkeit, F\u00fchrungsverm\u00f6gen, F\u00e4higkeit zu lieben und geliebt zu werden, Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t und Teamwork nach den Ereignissen zugenommen hatten. Die Ergebnisse dieser Studien sind allerdings aufgrund methodischer Einschr\u00e4nkungen mit Vorsicht zu interpretieren \u2013 es handelt sich nicht um Vorher-Nachher-Messungen bei den gleichen Personen, so dass nicht verl\u00e4sslich geschlossen werden kann, wie die beobachteten Ver\u00e4nderungen zu Stande kommen sind.<\/p>\n<h4>Und vieles mehr<\/h4>\n<p>Das Forschungsfeld der Charakterst\u00e4rken geht weit \u00fcber die vorgestellten Themen hinaus. Untersucht werden beispielsweise auch das Zusammenspiel von Charakterst\u00e4rken und Wohlbefinden, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31\">Arbeit<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#teamarbeit\">Teamrollen<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#jobcraft\">Job Crafting<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#calling\">Calling<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#poslead\">F\u00fchrung<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#therapie\">Therapie<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#coaching\">Coaching<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=31#schule\">Schule<\/a>.<\/p>\n<p><a name=\"refchar\"><\/a><\/p>\n<h3>Referenzen<\/h3>\n<p>Allport, G. W., &amp; Odbert, H. S. (1936). Trait-names: A psycho-lexical study. <em>Psychological Monographs, 47,<\/em> (Whole No. 211). http:\/\/dx.doi.org\/10.1037\/h0093360<\/p>\n<p>Aristotle. (2000). <em>Nicomachean ethics<\/em> (R. Crisp, Trans.). Cambridge, UK: Cambridge University Press.<\/p>\n<p>Biswas-Diener, R. (2006). From the equator to the north pole: A study of character strengths. <em>Journal of Happiness Studies, 7,<\/em> 293\u2013310. https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10902-005-3646-8<\/p>\n<p>Buckingham, M. &amp; Clifton, D. O. (2001). <em>Now, discover your strengths.<\/em> New York, NY: Free Press.<\/p>\n<p>Buschor, C., Proyer, R. T., &amp; Ruch, W. (2013). Self- and peer-rated character strengths: How do they relate to satisfaction with life and orientations to happiness? <em>The Journal of Positive Psychology, 8,<\/em> 116\u2013127. https:\/\/doi.org\/10.1080\/17439760.2012.758305<\/p>\n<p>Dahlsgaard, K., Peterson, C., &amp; Seligman, M. E. P. (2005). Shared virtue: The convergence of valued human strengths across culture and history. <em>Review of General Psychology, 9,<\/em> 203\u2013213. https:\/\/doi.org\/10.1037\/1089-2680.9.3.203<\/p>\n<p>Gillham, J., Adams-Deutsch, Z., Werner, J., Reivich, K., Coulter- Heindl, V., Linkins, M., \u2026 Seligman, M. E. P. (2011). Character strengths predict subjective well-being during adolescence. <em>The Journal of Positive Psychology, 6,<\/em> 31\u201344. https:\/\/doi.org\/10.1080\/17439760.2010.536773<\/p>\n<p>Lavy, S., Littman-Ovadia, H., &amp; Bareli, Y. (2016). My better half: Strengths endorsement and deployment in married couples. <em>Journal of Family Issues, 37,<\/em> 1730\u20131745. https:\/\/doi.org\/10.1177\/0192513X14550365<\/p>\n<p>McGrath, R. E. (2014). Character strengths in 75 nations: An update. The <em>Journal of Positive Psychology, 10,<\/em> 41\u201352. https:\/\/doi.org\/10.1080\/17439760.2014.888580<\/p>\n<p>Park, N., &amp; Peterson, C. (2006a). Moral competence and character strengths among adolescents: The development and validation of the Values in Action Inventory of Strengths for Youth. <em>Journal of Adolescence, 29,<\/em> 891\u2013909. https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.adolescence.2006.04.011<\/p>\n<p>Park, N., &amp; Peterson, C. (2006b). Character strengths and happiness among young children: Content analysis of parental descriptions. <em>Journal of Happiness Studies, 7,<\/em> 323\u2013341. https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10902-005-3648-6<\/p>\n<p>Park, N., Peterson, C., &amp; Seligman, M. E. P. (2004). Strengths of character and well-being. <em>Journal of Social and Clinical Psychology, 23,<\/em> 603\u2013619. https:\/\/doi.org\/10.1521\/jscp.23.5.603.50748.<\/p>\n<p>Park, N., Peterson, C., &amp; Seligman, M. E. P. (2006). 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