{"id":625,"date":"2017-08-22T09:20:38","date_gmt":"2017-08-22T09:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=625"},"modified":"2017-08-22T10:10:14","modified_gmt":"2017-08-22T10:10:14","slug":"therapie-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.positive-psychologie.ch\/?page_id=625","title":{"rendered":"Therapie"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"therapie\"><\/a><br \/>\nIn vielen Therapieschulen ist es gebr\u00e4uchlich sich mit den Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren von Beschwerden zu besch\u00e4ftigen. Die Behandlung richtet sich demzufolge auf die Pathologie. Dieser Fokus kann effektiv Symptome lindern, aber nicht zwingend Wohlbefinden erh\u00f6hen. Damit Genesung anh\u00e4lt, gen\u00fcgt es nicht, lediglich Symptome zu lindern. Es sollte Positives (wie beispielsweise Positive Emotionen) ebenfalls gef\u00f6rdert werden, da dies auch vorbeugend gegen weitere R\u00fcckf\u00e4lle wirkt. Das Erleben positiver Emotionen sch\u00fctzt beispielsweise vor depressiven Symptomen (Gillham &#038; Reivich, 1999) und gesteigertes Wohlbefinden wirkt protektiv bei chronischem und akutem Lebensstress (Ryff &#038; Singer, 2000). Aber auch Charakterst\u00e4rken wie Tapferkeit, Hoffnung, Optimismus, emotionale und soziale Intelligenz, Spiritualit\u00e4t, Ehrlichkeit und Ausdauer k\u00f6nnen als Schutzfaktoren gegen psychologische St\u00f6rungen wirken (Rashid &#038; Anjum, 2008).<br \/>\nKeyes (2005) konzipiert psychische Gesundheit als ein vollst\u00e4ndiger Zustand, in welchem Individuen frei von Psychopathologie sind und hohes emotionales, psychisches und soziales Wohlbefinden aufweisen. Psychotherapie sollte demnach beide Aspekte beinhalten. <\/p>\n<p>Im Folgendem werden verschiedene Interventionen angef\u00fchrt, die die vorhandenen Psychotherapieschulen zu erweitern versuchen, indem sie ihren Fokus auf das Steigern von Freude und Wohlbefinden legen. Im letzten Teil soll die Positive Psychotherapie genauer beschrieben werden.<\/p>\n<p>Die Well-being Therapie (Fava, 1999) basiert auf dem multidimensionalen Modell des psychologischen Wohlbefindens (Ryff &#038; Singer, 1996, 1998). Die Well-being Therapie setzt am Meistern von Umweltanforderungen, dem pers\u00f6nlichen Wachstum, dem Sinn im Leben, der Autonomie, der Selbst-Akzeptanz und an positiven Beziehungen mit anderen an. Die Therapie besteht darin, den Fokus auf Momente des Wohlbefindens zu lenken, diese schriftlich festzuhalten und die Selbstbeobachtung zu f\u00f6rdern. Well-being Therapie kann massgeblich Symptome affektiver St\u00f6rungen reduzieren und Wohlbefinden steigern (Rashid &#038; Anjum, 2008). <\/p>\n<p>Die \u201eQuality of life therapy\u201c von Frisch (2006) beinhaltet sowohl Aspekte der kognitiven Therapie als auch Aspekte der Positiven Psychologie. Freude wird in dieser Therapie als die Erf\u00fcllung wichtiger Ziele, Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche in 16 wertvollen Lebensbereichen (Gesundheit, spirituelles Leben, Arbeit, spielen, lernen, Kreativit\u00e4t, helfen, lieben, Freundschaft und Gemeinschaft) betrachtet. Eine Bibliotherapiestudie, die die Wirksamkeit der Qualitity of life therapy untersuchte, ergab, dass depressive Personen, nach der Therapie nicht mehr als depressiv klassifiziert wurden und zudem h\u00f6here Werte in Lebensqualit\u00e4t und Selbstwirksamkeit aufwiesen (Grant, Salcedo, Hynan, &#038; Frisch, 1995). <\/p>\n<p>Im Gegensatz zu konventionellen Therapieschulen, die vor allem Probleme, negative Emotionen, Erlebnisse und Charakteristiken besprechen, legt die Positive Psychotherapie ihren Fokus auf das Diskutieren positiver Emotionen, Erfahrungen und Charakterst\u00e4rken, sch\u00f6ner Erinnerungen und sinngebender Aktivit\u00e4ten. Sie nutzt die Ressourcen der KlientInnen. Anhand systematischer \u00dcbungen sollen PatientInnen positive Erlebnisse sammeln. Dieser Prozess, der sich auf positive Aspekte konzentriert, st\u00e4rkt die Therapeuten-Klienten Beziehung und geht mit einer ver\u00e4nderten Sichtweise \u00fcber den Therapeuten einher. Er wird nicht nur als erfahrene Person, die St\u00f6rungen diagnostiziert und therapiert wahrgenommen, sondern wird zum Begleiter bei der Entwicklung des Potentials des Patienten\/der Patientin. Psychotherapie sollte sich nicht auf das Diskutieren negativer Emotionen und Ereignisse beschr\u00e4nken, sondern die Aufmerksamkeit des Klienten\/der Klientin auf positive Gef\u00fchle, Gedanken und Erfahrungen lenken.<br \/>\nPositive Psychotherapie basiert auf Seligman\u2019s Modell (2002) des Gl\u00fccks, welches sich aus positiven Emotionen, Engagement und Sinn zusammensetzt. <\/p>\n<p>Der erste Baustein beinhaltet den Aufbau positiver Emotionen. Positive Emotionen sind eng mit der k\u00f6rperlichen und psychischen Gesundheit verbunden (Fredrickson &#038; Losada, 2005). Positive Emotionen k\u00f6nnen den Aufmerksamkeitsumfang erweitern und die Denkweise von Menschen \u00e4ndern (Fredrickson &#038; Branigan, 2005; Chesney, Darbes, Hoerster, Taylor, &#038; Chamber, 2005) und in Folge zu erh\u00f6htem Wohlbefinden f\u00fchren, was wiederum die sozialen und psychologischen Ressourcen aufbaut und schliesslich die Lebenszufriedenheit erh\u00f6ht (Fredrickson, 2001). Positive Emotionen wirken protektiv gegen Depressionen und andere psychologische Probleme (Rashid &#038; Anjum, 2008). Sie k\u00f6nnen beispielsweise durch Dankbarkeits- und Vergebungs\u00fcbungen gesteigert werden. In Bezug auf schlechte Erlebnisse, die mit negativen Emotionen einhergehen, k\u00f6nnen Klienten beispielsweise einen Vergebungsbrief schreiben und so \u00c4rger und Bitterkeit in neutrale oder sogar positive Emotionen umwandeln. Zudem kann Dankbarkeit in Bezug auf positive und negative Erlebnisse besprochen und ge\u00fcbt werden. Eine tiefe Reflektion \u00fcber ein positives Ereignis, das nicht gen\u00fcgend gew\u00fcrdigt wurde, kann durch ein Gespr\u00e4ch eine neue Bedeutung erhalten und so die depressive Stimmung von Patienten verbessern. Ausserdem ist es m\u00f6glich, dass in der Therapie Handlungen, die zu Freude und Zufriedenheit f\u00fchrten, wieder erinnert werden und so negative Emotionen verhindern. <\/p>\n<p>Der zweite Baustein zum Gl\u00fcck ist das Engagement, welches synonym mit Csikszentmihalyi\u2019s Flow (Csikszentmihalyi, 1990) zu verstehen ist. Engagement kann gesteigert werden, indem Charakterst\u00e4rken identifiziert und vermehrt eingesetzt werden. Vor allem der Einsatz von Signaturst\u00e4rken geht mit einem belebenden Gef\u00fchl einher, das Wachstum erm\u00f6glicht und zu Gl\u00fcck f\u00fchrt. In der Positiven Psychotherapie wird der Klient dazu motiviert Aktivit\u00e4ten nachzugehen, in denen Signaturst\u00e4rken Verwendung finden. Solche Aktivit\u00e4ten sind beispielsweise Schachspielen, Basketball spielen, Musik komponieren, Lesen, Gedichte schreiben, soziale Interaktion, backen, mit Kindern spielen, tanzen, anderen helfen und so weiter. KlientInnen sollen in der positiven Psychotherapie lernen, dass Gl\u00fcck nicht einfach passiert, sondern etwas ist, was sie selbst geschehen lassen k\u00f6nnen, indem sie aktiv ihre Signaturst\u00e4rken einsetzen und sich in Folge authentisch, erf\u00fcllt und gl\u00fccklich f\u00fchlen. <\/p>\n<p>Der dritte Baustein zum Gl\u00fcck ist das Verfolgen von Sinn. Die Verwendung von Signaturst\u00e4rken, um etwas Gr\u00f6sserem als man selbst ist zu dienen, kann Sinn schaffen. Viktor Frankl (1963) betonte, dass Gl\u00fcck als unbeabsichtigte Konsequenz mit Arbeiten an einem h\u00f6heren Ziel einhergeht. Personen streben nach einem Leben, dass f\u00fcr sie selbst sinnvoll ist und auch f\u00fcr andere einen Unterschied macht. Sinn kann beispielsweise durch enge Beziehungen, sozialen Aktivismus, Calling und Spiritualit\u00e4t entstehen. Ein sinnvolles Leben resultiert in gesteigerter Lebenszufriedenheit und dem Gef\u00fchl, gut gelebt zu haben. <\/p>\n<h3>Referenzen<\/h3>\n<p>Chesney, M. A., Darbes, L. A., Hoerster, K., Taylor, J. M., &#038; Chamber, D. B. (2005). Positive emotions: Exploring the other hemisphere in behavioral medicine. <em>International Journal of Behavioral Medicine, 12,<\/em> 50\u201458.<\/p>\n<p>Csikszentmihalyi, M. (1990). <em>Flow: The psychology of optimal experience.<\/em> New York: HarperCollins.<\/p>\n<p>Fava, G. (1999). Well-being therapy: Conceptual and technical issues. <em>Psychotherapy and Psychosomaties, 68,<\/em> 171\u2014179.<\/p>\n<p>Frankl, V. E. (1963). <em>Man\u2019s search for meaning: An introduction to logotherapy.<\/em> New York: Washington Square Press.<\/p>\n<p>Fredrickson, B. L. (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions. <em>American Psychologist, 56,<\/em> 218\u2014226.<\/p>\n<p>Fredrickson, B. L., &#038; Branigan, C. (2005). Positive emotions broaden the scope of attention and thought-action repertoires. <em>Cognition and Emotion, 19,<\/em> 313\u2014332. <\/p>\n<p>Fredrickson, B. L., &#038; Losada, M. (2005). Positive affect and the complex dynamics of human flourishing. <em>American Psychologist, 60,<\/em> 678\u2014686.<\/p>\n<p>Gillham, J. E., &#038; Reivich, K. J. (1999). Prevention of depressive symptoms in school children: A research update. <em>Psychological Science, 10,<\/em> 461\u2014462.<\/p>\n<p>Grant, G., Salcedo, V., Hynan, L., &#038; Frisch, M. B. (1995). Effectiveness of quality of life therapy for depression. <em>Psychological Reports, 76,<\/em> 1203\u20141208. <\/p>\n<p>Keyes, C. L. M. (2005). Mental illness and\/or mental health? Investigating axioms of the complete state model of health. <em>Journal of Consulting and Clinical Psychology, 73,<\/em> 539\u2014548. doi: 10.1037\/0022-006X.73.3.539.<\/p>\n<p>Rashid, T., &#038; Anjum, A. (2008). Positive psychotherapy for young adults and children. In J. R. Z. Abela &#038; B. L. Hankin (Eds.), <em>Handbook of depression in children and adolescents<\/em> (pp. 250-287). New York, NY: Guilford.<\/p>\n<p>Ryff, C. D., &#038; Singer, B. (1996). Psychological well-being: Meaning, measurement, and implications for psychotherapy research. <em>Psychotherapy and Psychosomatics, 65,<\/em> 14\u201423.<\/p>\n<p>Ryff, C. D., &#038; Singer, B. (1998). Contours of positive human health. <em>Psychological Inquiry, 9,<\/em> 1\u201428. <\/p>\n<p>Ryff, C. D., &#038; Singer, B. (2000). Interpersonal flourishing: A positive health agenda for the new millennium. <em>Personality and Social Psychology Review, 4,<\/em> 30\u201444.<\/p>\n<p>Seligman, M. E. P. (2002). <em>Authentic happiness: Using the new positive psychology to realize your potential for lasting fulfillment.<\/em> New York: Free Press.<\/p>\n<div style=\"display: none;\">\n<a name=\"schule\"><\/a><\/p>\n<h2>Schule<\/h2>\n<p>Charakterst\u00e4rken korrelieren mit positivem Erleben im Schulkontext (Weber, Wagner &#038; Ruch, 2016). Vor allem die Charakterst\u00e4rken Tatendrang, Ausdauer, Liebe zum Lernen und soziale Intelligenz scheinen f\u00fcr das Erleben positiver Gef\u00fchle in der Schule wichtig zu sein. Diese positiven Gef\u00fchle sind ausserdem entscheidend f\u00fcr ein gutes Funktionieren im Schulalltag. Genau genommen sind sie wesentlich f\u00fcr die Lernmotivation, das Interesse an den Inhalten und das Engagement in der Klasse und bei Pr\u00fcfungen. Positive Gef\u00fchle in Bezug auf die Schule und ein gutes Funktionieren in der Schule korrelierte zudem mit allgemeinem Schulerfolg. Schulerfolg wiederum korreliert mit den Charakterst\u00e4rken Ausdauer, F\u00fchrungsverm\u00f6gen, Liebe zum Lernen, Vorsicht und Weitsicht.<\/p>\n<p>Weber, M., Wagner, L., &#038; Ruch, W. (2016). Positive feelings at school: On the relationships between students\u2019 character strengths, school-related affect, and school functioning. <em>Journal of Happiness Studies, 17,<\/em> 341\u2014355. <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Therapieschulen ist es gebr\u00e4uchlich sich mit den Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren von Beschwerden zu besch\u00e4ftigen. Die Behandlung richtet sich demzufolge auf die Pathologie. 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